05.12.2016 12:09 Alter: 2 Jahre
Category: Zucht und Aufzucht

Zyklusstörungen bei der Zuchthündin

Ein unregelmäßiger Zyklus der Hündin – der nachfolgende Artikel soll über mögliche Ursachen informieren. Foto:©Dalmatiner24.eu/Wikimedia Commons
Ein unregelmäßiger Zyklus der Hündin – der nachfolgende Artikel soll über mögliche Ursachen informieren. Foto:©Dalmatiner24.eu/Wikimedia Commons

Jeder Züchter kennt in der Regel den typischen Zyklusverlauf seiner Hündinnen. Manchmal kann es aber zu Veränderungen im Zyklus kommen, die einem Rätsel aufgeben. Dieser Artikel beschreibt die häufigsten Ursachen, für den Fall, dass Ihre Hündin „unpünktlich“ ist.

Ablauf eines regulären Zyklus

Um zu wissen, wann es sich um eine Störungen oder Abweichung im Zyklusgeschehen handelt, muss man zunächst den „normalen“ Ablauf kennen. Der Zyklus einer Hündin ist gewöhnlich in vier Phasen unterteilt: In den Proöstrus (Vorbrunst, ab 1. Tag der Blutung), den Östrus (Brunst, Zeitraum des Eisprungs), den Metöstrus oder Diöstrus (Phase der Trächtigkeit/Scheinträchtigkeit) und den Anöstrus (hormonelle „Ruhephase“). Der Anöstrus ist normalerweise die längste Phase im Zyklus, die individuell schwanken kann (3). Viele Autoren fassen den Metöstrus und den Anöstrus auch zudem als Interöstrus zusammen. Dies sind viele Fachbegriffe, die uns aber später weiterhelfen werden, die verschiedenen Probleme der einzelnen Phasen zu verstehen.

Wie lang ist normal?

In der Länge der einzelnen Phasen kann es rassespezifische und individuelle Unterschiede geben, wobei die meisten Tiere ein Östrusintervall von sechs bis neun Monaten aufweisen (1,2). Bei Hündinnen über acht Jahren kann sich das Intervall auch verlängern (8).

In der Regel kommt es ab der zweiten Hitze zu einem konstanten Intervall zwischen den Läufigkeiten (3). Die Länge der einzelnen Zyklusphasen sind im Mittel für den Präöstrus und den Östrus jeweils neun Tage, für den Metöstrus 60 bis100 Tage und für den Anöstrus 20 bis 250 Tage laut einer aktuellen Literaturstudie von Arlt (4).

Die Phasen im Detail

Hormonell wird die Phase des Proöstrus durch den Anstieg von Östrogen bestimmt. Hier bilden sich die Follikel auf den Eierstöcken heran, die dann „springen“. Vereinfacht gesagt, bewirkt das Östrogen auch die Schwellung der Vulva und den blutigen Ausfluss der Hündin. Zusätzlich steigt am Ende des Proöstrus ein weiteres Hormon kurzfristig an, das sogenannte LH. Dies löst dann den Eisprung aus. Der Eisprung findet in der Phase des Östrus statt. Vor dem Eisprung haben wir aber auch schon ein weiteres Hormon im Einsatz, das sogenannte Progesteron, welches in der Phase des Metöstrus die Trächtigkeit aufrechterhält. Beim Hund finden wir die Besonderheit, dass Progesteron schon vor dem Einsprung gebildet wird und stetig bis zu einem bestimmten Wert ansteigt. Daher können wir mit diesem Hormon und dessen Anstieg auch den optimalen Deckzeitpunkt bestimmen.

Vaginalzytologie bei einer Hündin im Proöstrus: Es dominieren Erythrozyten und Intermediärzellen. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Uwe Gille/Wikimedia Commons
Vaginalzytologie bei einer Hündin im Proöstrus: Es dominieren Erythrozyten und Intermediärzellen. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Uwe Gille/Wikimedia Commons

Dem Proöstrus geht normalerweise schon eine Phase des sogenannten „Präproöstrus“ von 10 bis 21 Tagen voraus, die durch einen initialen Hormonanstieg (Östrogen) gekennzeichnet ist (4). Das bedeutet, dass die Hündin schon am Ende des Anöstrus einen hormonellen Anstieg hat, der dann irgendwann zu einer Blutung führt.

Viele Besitzer erkennen diese Phase bei ihrer Hündin durch verschiedene Verhaltensauffälligkeiten. Vermehrter Urinabsatz (Markieren) kann eines dieser Anzeichen sein.

Die Phase des Proöstrus und des Östrus wird bei der Hündin als Läufigkeit oder Hitze bezeichnet (2). Einige Autoren nehmen auch noch die frühe Phase des Metöstrus mit in den Begriff der Läufigkeit (12).

Um die verschiedenen Phasen unterscheiden zu können, nutzt man sowohl die Veränderungen im Verhalten der Hündin, die klinischen Erscheinungen (Veränderungen an der Vulva sowohl von außen als auch von innen, Ausfluss der Hündin, Gesäuge), als auch die Untersuchung des Abstrichs (Vaginalzytologie und Vaginoskopie). Zudem kann das Hormonprofil der Hündin als Hilfsmittel herangezogen werden (4).

Ursachen für Abweichungen des Zyklus

Viele Hündinnen, die mit einer Unfruchtbarkeit in der Paxis vorgestellt werden, sind klinisch gesund. Oft geht es hier eher um Probleme im Zucht- oder Deckmanagement. Diese sind durch eine exakte Bestimmung des Deckzeitpunkts zu beheben (5).

Kommt es zu Störungen im Zyklus, ist dies vor allem für Besitzer von potentiellen Zuchthündinnen eine Herausforderung. Hier muss man unterscheiden, ob es sich um eine wirkliche Zyklusanomalie handelt oder nur um ein individuelles Zyklusmuster der Hündin. Denn gerade bei Hündinnen gibt es eine große Bandbreite an Variationen, was die Dauer und die Ausprägung der Symptome angeht. Im Folgenden finden Sie einige der Ursachen für Zyklusanomalien bei der Hündin. Weiße Läufigkeit Bei der weißen Läufigkeit oder „stillen Hitze“ zeigt die Hündin keinerlei klinische Anzeichen, die auf eine Läufigkeit hindeuten. Hier fehlt zum Beispiel der Ausfluss, daher wird diese Abweichung auch als trockene Hitze bezeichnet. Allerdings sind diese Hündinnen hormonell aktiv und können trotzdem einen normalen Zyklus haben. Dieser sollte mit Hilfe einer Zytologie, Vaginoskopie und einer Hormonbestimmung überwacht werden. Hat die Hündin Eisprünge, dann könnte die Hündin durchaus auch gedeckt werden (2,3). Laut Goericke-Pesch sind insbesondere junge und rangniedere Hündinnen betroffen, während die eigentliche Ursache dafür noch unklar ist (4).

Vulva einer Hündin im Proöstrus, erkennbar am blutigen Scheidenausfluss. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Kalumet/Wikimedia Commons
Vulva einer Hündin im Proöstrus, erkennbar am blutigen Scheidenausfluss. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Kalumet/Wikimedia Commons

Split-Östrus

Der Split-Östrus ist eine sogenannte „geteilte Läufigkeit“. Meist beginnt die Läufigkeit mit ihren typischen klinischen Anzeichen und ist bereist nach ein paar Tagen wieder beendet. Sie beginnt dann später erneut. Laut Wehrend schließt sich in der Regel an die zweite Läufigkeitsphase eine Ovulation an, die dann zum Decken genutzt werden kann (6). Ein erfolgreicher Deckakt kann nur ablaufen, wenn bei der Hündin hormonell der normale Ablauf stattfindet und die Hündin zudem natürlich klinisch gesund ist. Dies ist oftmals beim Abbruch der Hitze nicht der Fall und daher kann es bei versuchtem Deckakt zum Leerbleiben der Hündin kommen. Die zweite Hitze beginnt meist zwei bis zehn Wochen nach dem Abbruch. Ein Split-Östrus kann in jedem Alter auftreten, wird aber häufiger bei jungen Hündinnen gesehen. Die Ursache hierfür ist ebenfalls unklar. Es wird aber eher ein „Verhaltensproblem“ dahinter vermutet (7). Ein Beispiel aus der Paxis für die geteilte Läufigkeit ist eine junge Hündin, die am Anfang ihrer Hitze in eine Hundepension gebracht wurde und dann die Hitze abgebrochen hat. Diese Hündin hat die Hitze nach Wochen wieder aufgenommen und in darauffolgenden Läufigkeiten keinerlei Abweichungen mehr gezeigt.

Verlängerte Läufigkeit

Laut A. Davidson handelt es sich um eine verlängerte Läufigkeit, wenn die Hündin mehr als 21 bis 28 Tage blutet mit gleichzeitiger Atraktivität für den Rüden (8). Mögliche Ursachen für die verlängerte Läufigkeit können hormonelle Imbalancen durch Zysten auf den Eierstöcken sein oder auch Tumore, die hormonell aktiv sind. Zudem kann auch eine Veränderung im Bereich der Nebenniere oder der Leber als Ursache in Frage kommen (2,8,9). Verkürzte Läufigkeit: Von einer verkürzten Läufigkeit ist die Rede, wenn die Läufigkeitssymptome unter zehn Tagen liegen. Diese sollte man immer vom Split-Östrus abgrenzen (2).

Verkürzter Zyklus

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Meinungen, wann man von einem verkürzten Zyklus spricht. Von unter fünf bis unter vier Monaten ist in der Literatur die Rede (10). Hierbei geht es immer um den Zeitraum von einer Läufigkeit bis zur Nächsten. Eine mögliche Ursache hierfür kann zum Beispiel ein Mangel an Progesteron sein, der zu einem vorzeitigen Abbruch des Zyklus/Trächtigkeit führt (2). Weitere Ursachen für den verfrühten Eintritt in die nächste Läufigkeit können das Ausbleiben von Eisprung und Gelbkörperphase oder ein vorzeitiger Mangel an Gelbkörperhormonen sein. Eventuell ist dies auch durch eine zentrale Störung der Steuerung der Sexualhormone verursacht (10,11). Bei einigen Rassen (zum Beispiel dem Deutschen Schäferhund) scheint eine Prädisposition für ein verkürztes Intervall zwischen den Läufigkeiten vorzuliegen. Hier ist von einem Intervall von drei bis vier Monaten die Rede. Dieses führt dann oftmals zu einer geringeren Reproduktivität. Es wird eine erbliche Komponente dahinter vermutet (9,11).

Bei einem verkürzten Zyklus muss man immer hinterfragen, warum genau dieser verkürzt ist und in welcher Phase die Veränderung stattfindet. Sind zu wenige Gelbkörperhormone vorhanden und wir dadurch der Metöstrus/Trächtigkeit abgebrochen, kann dies hormonell behandelt werden. Auch ein verkürzter Anöstrus ist nicht optimal und kann die Fruchtbarkeit beeinflussen. Die Gebärmutter braucht nämlich einen gewissen Zeitraum um sich wieder zu regenerieren.

Ultraschall-Bild von Ovarialzysten einer Hündin. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Kalumet/Wikimedia Commons
Ultraschall-Bild von Ovarialzysten einer Hündin. (Quelle: Wikipedia) – Foto:©Kalumet/Wikimedia Commons

Keine Läufigkeit vorhanden (primäre Anöstrie)

Darunter versteht man ein vollständiges Ausbleiben der Läufigkeitssymptome. Hier muss man differenzieren zwischen dem Ausbleiben der Hitze bei jungen, adulten oder älteren Hündinnen. Wenn Besitzer noch nie eine Läufigkeit bei ihrer Hündin bemerkt haben, kann diese auch eine stille Hitze durchlaufen haben oder die Hündin ist noch nicht in die Pubertät gekommen. In der aktuellen Literaturstudie von Arlt werden einige Ursachen für die Anöstrie zusammengefasst: Chromosomenanomalien, die zu einer Vermännlichung oder einer Veränderung der Geschlechtstrakts führen, Abweichungen in der Steuerung der Sexualhormone, Missbildungen der Eierstöcke. Zudem werden hier auch systemische Grunderkrankungen wie eine Nebennierenüberfunktion oder eine Schilddrüsenunterfunktion als Ursache für das vollständige Ausbleiben einer Hitze angemerkt (2).

Eine Hündin kann bis ins hohe Alter Symptome der Läufigkeit zeigen. Meistens sind die Symptome jedoch abgeschwächt und die Intervalle verlängern sich (12). Gerade bei älteren Hündinnen ist hier vermehrt Vorsicht geboten, wenn es um Veränderungen im Zyklus geht. Denn das Risiko einer Pyometra (Gebärmuttervereiterung) steigt mit zunehmendem Alter an (13). Hier sollte der Besitzer, abgesehen von den besprochenen Anomalien im Zyklus, ein wachsames Auge haben. (RB)

Veröffentlichung mit freundlicher Unterstützung von: www.petprofi.de

Quellen:

(1) Embryologie der Haustiere, Monika Kressin, Bertram Schnorr, Thieme Verlag
(2) Zyklusstörungen bei der Hündin, Sebastian Arlt, Klinik für Fortpflanzung, Fachbereich Veterinärmedizin, FU Berlin
(3) Leitsymptome in der Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund, Axel Wehrend, EnkeVerlag, Seite 13 -20
(4) Physiologie und Pathologie des Zyklus der Hündin- Chancen und Grenzen der Diagnostik und Therapie, Sandra Goericke-Pesch, Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der JLU Giessen
(5) Clinical Techniques in Small Animal Practice, Volume 17, Issue 3, August 2002, Pages 108-115, Reproductive Techniques in Small Animals, Evaluation of infertility in the bitch, BVSc (Hons) MACVSc Sophie Alexandra Grundy 1, DVM, DACVIM (Internal Medicine) Edward Feldman, DVM, DACVIM (Internal Medicine) Autumn Davidson
(6) Leitsymptome in der Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund, Axel Wehrend, EnkeVerlag, Seite 25
(7) Canine and Feline Endocrinology and Reproduction, Edward C. Feldman,Richard W. Nelson, Seite 785
(8) Current Concepts on Infertility in the Bitch. In: Waltham Focus 16, A. Davidson
(9) Physiology and pathology of the estrous cycle of the bitch, Konrad Blendinger, Med Vet, Hofheim, 56° Congresso Internazionale Multisala SCIVAC
(10) Dissertation, Zur Pyometra beim Hund, Eine Literaturstudie und die Vorstellung zweier mit dem Casus System erstellten Lernfälle, Nina Dorothee Hahn, Aus dem Zentrum für klinische Tiermedizin der Tierärztlichen Fakultät der, Ludwig-Maximilians-Universität München Chirurgische und Gynäkologische Kleintierklinik, München 2009
(11) Konzentrationen gelbkörper- und graviditätsrelevanter Hormone bei Deutschen Schäferhunden mit normalem und verkürztem Sexualzyklus A.-R. Günzel-Apel 1, S. Zabel 1, C. F. Bunck 1, H.-O. Hoppen 2, S. J. Dieleman 3, A. Einspanier4 1 Reproduktionsmedizinische Einheit der Kliniken (Klinik für Kleintiere; Leiter: Prof. Dr. I. Nolte) und 2Institut für Chemische Analytik und Endokrinologie (Leiter: Prof. Dr. H.-O. Hoppen) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, 3 Department of Farm Animals der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Utrecht/Niederlande, 4 Veterinär-Physiologisch-Chemisches Institut (Leiter: Prof. Dr. K. Fuhrmann) der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Tierärztliche Praxis Kleintiere
(12) Klinik der Reproduktionsmedizin des Hundes, Hans-Klaus Dreier, Schlütersche Verlag
(13) Influence of some factors on the incidence of pyometra in the bitch, A. L. Antonov, A. S. Atanasov, I. R. Fasulkov, P. I. Georgiev, S. A. Yotov, M. P. Kardaev & N. Y. Vasilev, Department of Obstetrics, Reproduction and Reproductive Disorders, Faculty of Veterinary Medicine, Trakia University, 6000, Stara Zagora, Bulgaria

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