12.09.2016 13:23 Alter: 5 Jahre
Category: Hundesport

Fehler, Verweigerung oder Disqualifikation?

Richterentscheidungen

Manche Richterentscheidungen sind erst beim genaueren Hinschauen nachvollziehbar. Foto:©Marcus Feimer
Manche Richterentscheidungen sind erst beim genaueren Hinschauen nachvollziehbar. Foto:©Marcus Feimer

Es gibt immer wieder Richterentscheidungen, bei denen die Starter fragen: „Warum hat der Richter so entschieden?”

Antwort: Weil es auf den Blickwinkel des Richters ankommt und der kann von seinem Standort aus ein anderer sein, als die Perspektive des Zuschauers außerhalb des Parcours.

Eines sei im Vorfeld schon gesagt: „Es ist nicht die Frage, ob der Richter eine Fehlentscheidung trifft, sondern wann er eine Fehlentscheidung trifft“.

Nachstehend, zur Verdeutlichung, ein paar Fälle aus der Praxis:

Fall 1 – Weitsprung

Der Hund springt über den Weitsprung. Es ist ein deutliches „Klock“ vom Berühren des Weitsprungs zu hören.

Frage: Fehler, Verweigerung oder nichts von beidem?

Antwort: nichts. Das Anstoßen der Elemente mit Kralle oder Rute („Klock“) ist kein Fehler.

Fall 2 – Weitsprung

Der Hund überspringt den Weitsprung und verschätzt sich. Er kommt mit einer oder mehreren Pfoten auf dem Element auf oder muss dazwischen neu ansetzen.

Frage: Fehler, Verweigerung oder nichts von beidem?

Antwort: Fehler!

Fall 3 – Weitsprung

Der Hund läuft über den Weitsprung (kein Ansatz zum Sprung).

Frage: Fehler, Verweigerung oder nichts von beidem?

Antwort: Verweigerung. Das „Übergehen“ statt Überspringen des Weitsprungs ist gemäß Reglement eine Verweigerung.

Beispiel-Bild 1 (oben) & Beispiel-Bild 2 (unten) – Zeichnungen:©Ingo Bursch
Beispiel-Bild 1 (oben) & Beispiel-Bild 2 (unten) – Zeichnungen:©Ingo Bursch

Fall 4 – Weitsprung

Beim Überlaufen des Weitsprunges oder beim Querspringen (Verweigerung) fällt ein Element und/oder eine Begrenzungsstange so unglücklich um, dass der Weitsprung nicht gefahrlos wiederholt werden kann.

Frage: Was ist zu tun?

Antwort: Gut wäre es, der Richter würde den Lauf unterbrechen, das Hindernis neu aufbauen und dem Starter einen Neustart ermöglichen.

In diesem Falle würden Fehler und Verweigerungen bis zum Weitsprung Bestand haben und erst ab dem Weitsprung würden Fehler und Verweigerungen wieder angezeigt.

Die Zeit wird jedoch vom Start an neu genommen. Fall 4 gilt nicht nur für den Weitsprung, sondern überall dort, wo der Parcours nicht mehr sauber und gefahrlos abgearbeitet werden kann.

Fall 5

Der Hund wird am Start, hinter der Starthürde, in Grundstellung gebracht (da ein anderes Startverhalten mit dem Hund nicht möglich wäre) – Beispiel-Bild 1.

Frage: Darf er hier in Grundstellung gebracht werden?

Antwort: Der Hund darf nicht in Grundstellung gebracht werden, wo der Hundeführer es wünscht, sondern in einem 5 m Radius vor der Startlinie (Reglement 2.1 und Protokoll vom 01.10.2005) – Beispiel-Bild 2.

Beispiel-Bild 3 – Zeichnung:©Ingo Bursch
Beispiel-Bild 3 – Zeichnung:©Ingo Bursch

Fall 6 – Cavalettis

Der Hund verweigert das zweite oder dritte Element der Cavalettis, da er rechts vorbei zum Parcourshelfer zieht (siehe Beispiel-Bild 3).

Der Hundeführer ist aber links an den Cavalettis vorbeigelaufen. Dieser spricht den Hund an, um von vorne zu beginnen und dabei läuft der Hund durch die Cavalettis hindurch zum Hundeführer ohne ein Element zu nehmen.

Frage: Disqualifikation ja oder nein?

Antwort: Disqualifikation. Gemäß IRJGV Agility Reglement 4.2.2 „Die Kombination von zwei oder drei Hindernissen.

Ein Durchlaufen zwischen den einzelnen Elementen von Cavalettis oder Hindernissen, die in einer Kombination stehen, ist nicht zulässig. Dies gilt sowohl für den Hund als auch für den Hundeführer.“

Beispiel-Bilder 4 (oben) & 5 (unten) – Zeichnungen:©Ingo Bursch
Beispiel-Bilder 4 (oben) & 5 (unten) – Zeichnungen:©Ingo Bursch

Fall 7 – Wippe

Der Hund läuft richtig auf die Wippe, springt jedoch zur Seite oder nach vorne ab.

Frage: Fehler oder Verweigerung?

Antwort: Das ist davon abhängig, wo sich der der Hund mit allen vier Pfoten befindet.

Im IRJGV-Agility-Reglement ist folgendes festgelegt: „Das Abspringen von der Wippe, bevor der Hund mit allen 4 Pfoten die Achse (Mittelpunkt) der Wippe überschritten hat, ist eine Verweigerung.”

Ist der Hund mit allen vier Pfoten über den Mittelpunkt hinaus, ist es ein Fehler und der Lauf kann weiter geführt werden.

Fall 8 – Abstand zwischen zwei Hindernissen

Der Abstand zwischen zwei Hindernissen ist nach dem Laufweg des Hundes zu bemessen – siehe Beispiel-Bilder 4 und 5.

Gemäß IRJGV-Agility-Reglement: Die Distanz zwischen zwei aufeinander folgenden Hindernissen im Parcours soll max. 7 m (ca. 10 Schritte) und muss mind. 5 m (ca. 7 Schritte) betragen.

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