31.03.2015 14:31 Alter: 4 Jahre
Category: Haltung und Pflege

Borreliose

Gefährliche Infektionskrankheit für Mensch und Tier

Borrelia-burgdorferi – Foto:©CDC/wikimedia commons
Borrelia-burgdorferi – Foto:©CDC/wikimedia commons

Die Borreliose, auch Lyme Disease genannt, ist schon seit sehr langer Zeit in Europa bekannt.Das Krankheitsbild war schon vor der Jahrhundertwende bekannt, wurde aber erstmals 1982 in den USA von Burgdorfer beschrieben. Die Borreliose wird durch die Zecke Ixodes ricinus, dem Holzbock, übertragen. Diese kommt in ganz Deutschland vor und ist nicht wirtsspezifisch, d.h. alle uns bekannten Heim- und Haustiere können befallen werden. Daher ist auch die Borreliose bereits bei sehr vielen Tierarten beschrieben worden, einschließlich Reptilien, und kommt in allen Regionen Deutschlands vor. Seit 1980 ist ein stetiger Anstieg der Borreliosefälle sowohl beim Mensch als auch beim Hund zu verzeichnen. Beim Menschen ist es in Deutschland die am häufigsten übertragene Infektionskrankheit durch Zecken.

Die Borreliose ist eine bakteriell bedingte Erkrankung. Verursacher ist ein Schraubenbakterium – Borrelia burgdorferi. Allerdings gibt es verschiedene Subtypen (Genospezies) des Bakteriums, was zur Folge hat, daß Impfstoffentwicklungen für den Menschen bisher fehl schlugen.

Wie wird die Krankheit genau übertragen?

Die Borrelien sitzen im Mitteldarm der Zecke. Wenn die Zecke sich in den Wirt festgebohrt und ihre Blutmahlzeit begonnen hat, werden diese aktiviert und wandern in die Speicheldrüsen der Zecke. Dann können sie mit der Blutaufnahme übertragen werden. Da diese Wanderung vom Mitteldarm in die Speicheldrüsen erst nach einer gewissen Zeit stattfindet, steigt das Risiko mit der Länge des Festbeißens stetig an. Allerdings ist man sich noch nicht 100%ig einig, ab wann genau die Borrelien in den Speicheldrüsen zu finden sind. Früher war man eher der Meinung, daß die Borrelien erst nach 2-3 Tagen übertragenwerden können. Heute geht man aber davon aus, daß die Borrelienübertragung sehr rasch, innerhalb einiger Stunden, stattfinden kann.

Starke Vergrößerung des Kopfes mit „Beißwerkzeugen" einer Zecke. Foto:©Joep/wikimedia commons

Zecken entwickeln sich in 3 Stadien (Eier – 6-beinige Larve – 8-beinige Nymphe – 8-beinige erwachsene Zecke).
Die einzelnen Stadien sind allerdings unterschiedlich stark infiziert. Die Larven beherbergen “von Geburt an” meist keine Borrelien, infizieren sich aber häufig mit der ersten Blutmahlzeit. Reservoirtiere für die Borrelien sind Nager, Insektenfresser (z.B. Igel), aber auch Wildtiere, Vögel und Haustiere. Gerade Vögel spielen für die Verbreitung über weite Entfernungen eine große Rolle. Wenn die Larve sich dann zur Nymphe häutet, werden die im Mitteldarm sitzenden Borrelien bei der Häutung auf die Nymphen mit übertragen. Da wiederum von der Nymphe ein anderer Wirt befallen wird, wird die Infektion vorangetrieben. Die größte Gefahr für Mensch und Tier geht von der erwachsenen Zecke aus. Nüchtern hat die erwachsene Zecke eine Körperlänge von 2,4 – 4,8 mm, jedoch wird sie vollgesogen bis 12 mm groß. Wie hoch der Prozentsatz der infizierten Zecken letztendlich ist, wird sehr unterschiedlich beschrieben. Die Angaben schwanken zwischen 30% und 80%, was wohl auch auf regionale Unterschiede zurück-zuführen ist. Der Erreger konnte auch schon in blutsaugenden Fliegen und Mücken gefunden werden, allerdings wurde noch kein Nachweis der Übertragung erbracht.

Der Zeckenbefall ist im Frühjahr und im Herbst am häufigsten, kann aber bei Temperaturen über 10° C ganzjährig erfolgen. In den heißen Monaten sind die Zecken am Vormittag und am frühen Abend am aktivsten. Wirtssuchende erwachsene Zecken finden sich bis ca. 1 m Höhe in Büschen, wohingegen die Nymphen (Größe: 1,2 mm nüchtern bis 2,0 mm vollgesogen) in einer Höhe von 10 bis 20 cm und die Larven (Größe: 0,6 mm nüchtern bis 1 ,25mm vollgesogen) in einer Höhe von 20 bis 30 cm zu finden sind. Die beliebtesten Aufenthaltsräume sind Wald-und Wegränder, aber auch lichte Gehölze mit Unterwuchs in Laub- und Mischwäldern sowie Parkanlagen. Daher sind die Zecken beim Menschen meist im Beinbereich zu finden.

Nachdem die Zecken mit dem Saugakt die Borrelien in den Körper des Wirtes abgegeben haben, vermehren sich diese erst in der Haut um die Einstichstelle, wodurch es beim Menschen meist zu einer typischen ringförmigen Hautrötung um die Einstichstelle, das sog. Erythema migrans (s. u.) kommt. Innerhalb einiger Wochen erfolgt dann die Verbreitung in eine Vielzahl von Geweben und die Borrelien befallen die Gelenke. Meist sind die Gelenke in der Nachbarschaft des Zeckenstichs betroffen. Gelenke, die weiter vom Infektionsherd entfernt liegen, können eine Entzündung später entwickeln. Nicht immer kommt es aber zur Ausbildung von Symptomen.

Erythema migrans (Wanderröte) als Folge eines Zeckenstiches. Foto:©CDC/James Gathany/wikimedia commons

Die klinischen Symptome sind beim Menschen gegenüber dem Hund sehr unterschiedlich. Beim Menschen verläuft die Erkrankung in drei Stadien.

Stadium I: Das erste Stadium ist gekennzeichnet durch ein meist typisches Erythema migrans, welches i.d.R. sich innerhalb von Tagen bis wenige Wochen um die Einstichstelle der Zecke entwickelt. Im Laufe der Zeit kann dieses Erythema migrans bis zu einem Durchmesser von 30 cm anwachsen, beginnt dann im weiteren Verlauf vom Mittelpunkt an abzublassen und klingt dann nach Wochen bis Monaten ohne Behandlung wieder ab. Dieses Erythem wird nicht selten von Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Fieber begleitet. Bisweilen entwickelt sich auch ein Hautausschlag.

Stadium II: Dieses Stadium, welches Wochen bis Monate nach der Infektion auftreten kann, äußert sich in einer akuten Arthritis oder Carditis (Herzentzündung). Es kann aber auch das zentrale oder periphere Nervensystem betroffen sein.

Stadium III: Das dritte und letzte Stadium zeichnet sich durch chronische Schäden aus. Die Schäden können sich nach Jahren entwickeln und einen sehr langen Zeitraum anhalten. Meist handelt es sich hierbei um eine chronische Arthritis, einer chronischen Beeinträchtigung des ZNS oder auch Hautveränderungen. An welchen Spätfolgen der Patient erkrankt, kann auch davon abhängen, mit welchem Subtyp von Borrelia burgdorferi er infiziert wurde.

Diese Einteilung sagt aber nicht, dass immer alle Stadien durchlaufen werden. In jedem Stadium kann sich die Krankheit manifestieren oder aber auch spontan abheilen.

Während man beim Menschen die klinischen Symptome in drei verschiedene Stadien unterteilen kann, äußern sich die Symptome beim Hund primär in eine akute bis subakute Arthritis (Gelenksentzündung). Diese tritt 2 bis 5 Monate nach dem Zeckenstich auf und kann ein oder mehrere Gelenke betreffen. Die Gelenke sind meist angeschwollen und sehr schmerzhaft. Typischerweise findet man eine sogenannte intermittierende Lahmheit, d.h. die Lahmheit wechselt von einem zum anderen Gelenk. Die Lahmheit kann Tage bis Wochen andauern. Diese Symptome ähneln dem des Menschen im zweiten Stadium. In einigen Fällen zeigen die Hunde auch Herzprobleme, Nierenversagen und neurologische Störungen, wie Verhaltensänderungen, Aggressionen oder Anfälle.

Eine Übertragung durch Urin oder Speichel von einem infizierten Tier auf den Menschen konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Wie wird eine Infektion mit Borrelien nachgewiesen?

Für die Diagnose gibt es keinen 100%igen Test. Weder die klinischen Symptome, noch ein Bluttest oder biochemische Veränderungen sind verläßlich aussagekräftig. Ein Hauptproblem ist auch, dass der Zusammenhang zwischen eventuell auftretenden Symptomen und dem Zeckenstich meist übersehen wird.

Antikörpertest:
Bei jeder Infektion, sei es durch Bakterien oder Viren, werden vom Körper als Reaktion darauf spezifische Antikörper zur Bekämpfung der Infektion gebildet. Diese Antikörper werden heute durch spezifische Tests (Immunfluoreszenz, ELISA oder Immunoblot) nachgewiesen. Ein Antikörpertest bei der Borreliose ist allerdings erst nach 4-6 Wochen nach einer möglichen Infektion (Zeckenstich) sinnvoll. Leider ist aber auch ein positiver Test nicht ausreichend für eine Diagnose. Ein positiver Test sagt nur, dass der Organismus irgendwann mit Borrelien infiziert wurde, wodurch eine Antiköperbildung in Gang gesetzt wurde. Dies kann aber schon längere Zeit zurückliegen, da der Antikörpertiter über einen längeren Zeitraum sehr hoch sein kann. Auch schließt ein negativer Antikörpertest ei-ne Borreliose nicht aus, besonders im frühen Stadium.

Ein weiterer Nachweis ist der direkte Nachweis der Borrelien, wobei die Borrelien nur sehr schwer aus dem Gewebe oder den Körperflüssigkeiten isoliert werden können. Zum Nachweis verwendet man speziellen Methoden. Beispielsweise die PCR (= Polymerase Kettenreaktion). Hierbei wird spezielles genetisches Material (DNS-Fragmente) der Borrelien nachgewiesen. Für den Test verwendet man je nach Symptomen Gelenksflüssigkeit oder Liquor (Rückenmarksflüssigkeit). Diese Methode hat den Vorteil, daß sie extrem spezifisch und sensibel ist, allerdings kann die Methode nicht zwischen lebenden und toten Borrelien unterscheiden. Daher kann man bei einem negativen PCR-Test nicht die Infektion von vornherein ausschließen; auf der anderen Seite müssen auch positive PCR-Tests vorsichtig interpretiert werden, da die Ergebnisse sehr schnell durch Kontamination falsch positiv werden können.

Wie wird die Borreliose behandelt?

Zur Behandlung der Borreliose sind Antibiotika Mittel der Wahl. Die Antibiotika müssen über 3-4 Wochen gegeben werden, auch wenn die klinischen Symptome sich schon nach wenigen Tagen gebessert haben, da die Bakterien sich sehr langsam vermehren. Durch die Vernichtung der Bakterien durch die Antibiotika sinkt auch der Antikörpertiter. Allerdings kann meist trotz allem ein positiver Antikörpertiter über einen sehr langen Zeitraum nachgewiesen werden, besonders dann, wenn die Antibiotikagaben erst nach einem langen Zeitraum nach der Infektion gegeben wurden. Ein positiver Antikörpertest, zusammen mit den oben beschriebenen Symptomen, die womöglich sehr schnell auf eine Antibiotikatherapie ansprechen, sprechen für eine Infektion mit Borrelien.

Vorbeuge gegen die Borreliose

Da ein Zeckenbefall an sich schon eine Infektionsgefahr für den Hund darstellt, und auch andere Krankheiten durch Zecken übertragen werden, sollte statt -oder zumindest zusätzlich- zu der Impfung eine Zeckenprophylaxe betrieben werden. Dies ist besonders wichtig, da die Borreliose auch heute noch sehr schwer zu diagnostizieren ist. Für den Hund eignen sich zur Zeckenprophylaxe pharmakologische Stoffe, die als Repellent wirken (insbesondere Permethrin) und als kleine Ampullen, sog. spot-on Präparat, auf dem Markt sind. Permethrin wird für Säugetiere als gering toxisch eingestuft, so daß auch eine längere Verabreichung keine Gefahr für den Hund darstellt. Das spot-on Produkt mit Permethrin ist geeigneter als Halsbänder, da durch die spezielle Formulierung der Anwender nicht ständig in Kontakt mit dem chemischen Stoff kommt.

Besonders wenn Reisen in südliche Länder geplant sind, sollte die Zeckenprophylaxe nicht vergessen werden, da gerade in diesen Ländern noch wesentlich mehr Krankheiten durch Zecken übertragen werden, als es in Deutschland der Fall ist.

Auch beim Menschen wirken Repellents in gewissem Umfang. So gibt es zum Beispiel für besonders gefährdete Personen Kleidung, welche mit Permethrin behandelt wurde. Für den Menschen steht als wirksamste Prophylaxe aber immer noch die Meidung zeckengefährdeter Gebiete im Vordergrund, was allerdings nicht immer ganz leicht ist. Wenn man sich in gefährdeten Gebieten aufhält, sollte man zum Schutz vor schnellem Ansaugen der Zecken geschlossene Kleidung tragen (langärmelige Hemden, Beinenden in Socken oder Stiefel etc.). Helle einfarbige Kleidung erleichtert außerdem das Absuchen auf Zecken.

Anmerkung der Redaktion:

Die Borreliose stellt nach wie vor ein unterschätztes Problem dar, da sie häufig nicht erkannt wird. Zwar kann sie bei korrekter Diagnose gut mit Antibiotika bekämpft werden, aber dies ist sicher nicht der richtige Weg, da dann ja das “Kind schon in den Brunnen gefallen ist”.

Auch die Impfung gegen Borrelien soll und kann eine gute Vorbeuge gegen Zecken nicht ersetzen. Es kommt ihr -wenn überhaupt- allenfalls ein ergänzender Wert zu.

Die beste Borreliose-Prophylaxe ist eine gute Zeckenprophylaxe – dies kann als generelle Empfehlung gegeben werden. Hierzu sind natürlich nur Präparate geeignet, die eine gute Repellentwirkung haben – also die Zecken vom Beißen und damit von der Übertragung der Borrelien abhalten. Eine sehr praktikable Form der Zeckenprophylaxe stellen spot-on Präparate zum Auftropfen dar, die eine Wirksamkeit über mehrere Wochen haben. Hier hat sich z. B. das Präparat EXspot® mit bis zu 4wöchiger Wirksamkeit gegen Zecken (und auch gegen Flöhe!) sehr gut bewährt.

Zudem hat man bei einem modernen Tierarzneimittel wie z.B. EXspot® die Sicherheit, daß es von der obersten Bundesbehörde auf Wirksamkeit und Sicherheit für Hund und Anwender geprüft wurde und regelmäßig nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterentwickelt wird. Eine gute Vorbeuge gegen Zecken über die gesamte Saison verhütet gefährliche Erkrankungen wie die Borreliose und erhält die Gesundheit unserer lieben vierbeinigen Freunde.

Von: Dr. Nicola Franz

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