26.05.2014 14:05 Alter: 4 Jahre
Category: Hundesport

IRJGV-Agility informiert

„Sportgerät Hund" – Können wir mit unserem Ehrgeiz unseren Hunden schaden?

Agility ist ein toller Teamsport. Unser Sportpartner Hund, sollte keinesfalls unter dem unüberlegten und gegebenfalls, übertriebenen Ehrgeiz mancher Sportler leiden. Foto:©Klaus Wengelnik

Sport hat in seinem Grundgedanken, auch immer etwas mit Leistung, Anstrengung, an die Grenzen gehen und den Erfolg suchen zu tun. In fast jeder Sportart liegen die Ziele manchmal höher als es machbar scheint. Ziele, die uns zu Leistungsanstrengungen verführen, die nicht immer im gesunden und vor allem im vernünftigen Bereich unserer Möglichkeiten liegen.

Jeder möchte gerne der Beste sein. Am höchsten springen, am weitesten werfen, am schnellsten laufen und als Nummer 1 auf dem Treppchen stehen.
Nur der Sieg zählt. Die „Goldmedaille”, der „Meistertitel” und sowieso, immer als erster über die Ziellinie spurten. Silber, Bronze … also 2. oder 3. zu werden ist zwar sehr schön, aber eben nicht das Wunschziel.

Agility, wird immer wieder, als noch eine junge und somit auch als eine mit Fragen behaftete Sportart dargestellt. Obwohl Agility doch schon seit vielen Jahren weltweit praktiziert wird und sich viel Wissen um diese wunderschöne Freizeitart angesammelt hat. Die Agility-Hindernisse, sind in einer Zeit entwickelt worden, als die Hunderassen noch ganz anders präsent waren und die Hunde dementsprechend, die Parcourse nicht so schnell und dynamisch absolvierten, wie das heute der Fall ist.

Die heutigen Hunderassen, allen voran der Border Collie, der Australian Shepherd, die Belgischen Schäferhunde, Shelties und einige mehr, bringen eine neue Qualität, eine neue Dynamik in den Agility-Sport.

Wir können heute feststellen, dass die Hindernisse im Prinzip gleich geblieben sind, dass aber die Sporthunde viel schneller und athletischer geworden sind.
Dementsprechend hat die geistige und körperliche Belastung für die Hunde, in bestimmten Situationen zugenommen und somit leider auch die Gefahr von Verletzungen, wenn der Hund einer Überbelastung eines oder mehrerer Körperteile ausgesetzt ist.

Den Sieg kann aber nur das Team erlangen, das die gestellten Aufgaben am besten meistert. Eine Aufgabe, die wie so oft, im Vorfeld, im Training, erlernt werden muss. Denn gerade hier sollten auch die unmöglichsten Situationen trainiert und eine Lösung dafür erarbeitet werden.
Im Prinzip muss die sportliche Leistungsförderung, mit der persönlichen Einstellung zum Sport, das eigene sportliche Können und das Vermögen des Hundes, beim Training auf einen machbaren „Team-Nenner” gebracht werden.

Bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom. Also viele verschiedene Trainingsarten, zum möglichen Erfolg. Training heißt lernen. Nun kann man mit Spaß und Freude lernen. Angepasst und mit Augenmaß, oder aber auch mit Zwang und Druck, überzogen und maßlos.

Agility ist eine Sportart, die besonders durch die positive Mensch-Hund-Beziehung, auf sich aufmerksam macht. Bei ihr steht in erster Linie der Spaß, den das Team haben sollte, im Vordergrund. Das fehlerfreie Bewältigen der Aufgaben, rundet das Ganze ab und sollte den möglichen Erfolg bringen. Erst danach wird die Schnelligkeit des Hundes, über eine mehr oder weniger gute Platzierung, entscheiden. Und hier setzt der Hebel im Grundsatz an.

Wann sollte man mit dem Training beginnen, wie oft sollte trainiert und was sollte zu welcher Zeit trainiert werden? Zu beobachten ist, dass Welpen und Junghunde bereits mit wenigen Wochen bzw. Monaten an den Agility-Sport herangeführt werden. Da steht das Kontaktzonentraining auf dem Programm, das enge und schnelle Führen durch die Sprungausleger und das Abverlangen der Geschwindigkeit, zum Beispiel mit vollem Tempo und Schwung durch den gebogenen Tunnel.

Wir wissen, dass Junghunde noch voll in ihrer Entwicklung stehen. Wir wissen auch, dass übermäßige und falsche Belastungen durchaus schädlich sind.

Und da tauchen auch schon Fragen auf:

  • Wird bei zu frühem Trainingsbeginn ausreichend auf die Gesundheit des Hundes Rücksicht genommen?
  • Ist es jedem Hundesportler bewusst, dass dabei Risiken in Kauf genommen werden?
  • Ist es überhaupt wichtig, den Hund so früh wie möglich sportlich auszubilden?
  • Scheint hierbei nicht der Ehrgeiz der Hundesportler zu überwiegen und im Vordergrund zu stehen?
Training heißt lernen. Man kann mit Spaß und Freunde lernen, angepasst und mit Augenmaß, oder aber auch mit Zwang und Druck. Foto:©Klaus Wengelnik

Es darf keinesfalls das Ziel sein, den Hund so früh wie möglich auszubilden, damit er entsprechend schnell auf Turnieren starten kann, dort dann natürlich auch sofort gut abschneiden muss. Agility ist ein Teamsport. Hierbei beeinflussen aber die Hundeführer, also der Mensch, das Geschehen. Unsere Hunde sind dabei das ausführende Organ. Sie sollten gefühlvoll und mit Augenmaß an Aufgaben herangeführt werden und sich dabei risikofrei entwickeln können. Sie dürfen nicht unüberlegt und gleichgültig, mit Zwang Aufgaben erfüllen müssen, die möglicherweise über ihr Leistungsvermögen hinaus gehen.

Leider glauben manche Agility-Sportler, dass Erfolge am ehesten zu schaffen sind, wenn man so früh wie möglich mit dem jungen Hund ins Training einsteigt. Viel wichtiger scheint jedoch ein Trainingseinstieg, der sich an der Entwicklung des Hundes orientiert und mit Spaß und Freude angereichert ist. Spaß und Freude nicht nur für die Hundeführer, sondern vor allen für die Hunde! Ausbildung muss Schritt für Schritt, unter besonderer Beachtung der körperlichen und geistigen Entwicklung des Hundes von statten gehen!

Eine gute Ausbildung und ein gutes Training, erfordern gerade in der Welpen- und Junghundezeit und sicher auch darüber hinaus, eine positive und vertrauensvolle Beziehung zu seinem Hund. Hier kann ein zu frühes Anfangen mitunter mehr schaden als nützen. Schon ein Sturz kann reichen und der Hund kann niemals wieder unbeschwert laufen, geschweige denn, ein erfolgreicher Agility-Hund werden.

Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass ein Hund, der schon im Welpen-Alter mit dem Agility-Training kontaktiert wurde, später der bessere und erfolgreichere Hund war. Es gibt aber Wissen darüber, dass Hunde, die später, z.B. erst mit einem Jahr mit dem Agility-Training angefangen haben, ganz vorne mitgelaufen sind und vor allen auch lange im Hundesport aktiv sein konnten.

Agility ist ein toller Teamsport. Unser Sportpartner Hund, sollte keinesfalls unter dem unüberlegten und gegebenfalls, übertriebenen Ehrgeiz mancher Sportler leiden.

Erinnern wir uns daran, warum wir Agility betreiben:

Weil es Spaß macht, mit dem Partner Hund zu laufen, auf Agility-Turnieren Freunde und Gleichgesinnte zu treffen und dort gemeinsame Erfolgserlebnisse zu haben! Diese Erfolgserlebnisse müssen nicht die schnellstmöglichen Teilnahmen an Meisterschaften oder ein dickes Punktekonto beim IRJGV-Cup sein.

Konzentrieren wir uns darauf, dass wir die Verantwortung für ein Lebewesen übernommen haben, dass für uns, egal was wir verlangen, alles tun möchte. Dafür muss es für jeden Hundesportler oberstes Gebot sein, seinem Hund so viel Entwicklungs- und Ausbildungszeit zu geben wie er braucht. Und ein Hund braucht, egal welcher Rasse er angehört, oft mehr Zeit für seine Reife, als ihm manchmal zugestanden wird. Da gibt es Stimmen, die sagen: Lieber einmal zu viel trainiert, als einmal zu wenig.

Sollte es nicht heißen: Lieber dem Hund angepasst und mit Augenmaß trainiert? Es dürfte besser sein, nach dem Training das Gefühl zu haben: Das war ein schönes Training, das hat Spaß gemacht! Das Team und davon in erster Linie der Partner Hund, sollte locker und entspannt aus dem Training gehen und nicht mit hängenden Ohren und völlig platt.

Unser Hund ist unser Kumpel, Freund und Begleiter und nicht unser „Sportgerät”.

Das IRJGV-Agility-Reglement schreibt folgende Hindernisse vor:

Die Hürden; das Viadukt und/oder die Mauer; die Cavalettis (Kleinst-Hindernisse); der Reifen; der Weitsprung; der feste Tunnel; der Sack-Stofftunnel; der Slalom; die Wippe; die Schräg-(A-)Wand; der Laufsteg.

Die Zusammensetzung und Beschaffenheit dieser Hindernisse sind in der Reglement-Ausgabe 2013.2 verankert.

Hier finden interessierte Hundesportler viele weitere Vorgaben zum Agility-Sport im IRJGV. Desweiteren sollte das Reglement „Anlagenblatt” 2013.2 Beachtung finden. Hier sind viele, nicht reglementierfähigen Vereinbarungen im IRJGV-Agility zusammen gefasst und geben einen guten Überblick zum Thema „Was man weiß und was man wissen sollte”.

Das aktuelle Reglement und das gültige Anlagenblatt sind u.a. auf der Homepage des IRJGV/IDG und auf der Seite: www.irjgv-wesel.de hinterlegt.

IRJGV–Agility-CUP-Ergebnislisten 2014

Die Ergebnislisten der einzelnen Cup-Veranstaltungen und die regionale Punkwertung zur Cup-Serie, wird in jeder Region, durch die/den Agility-Regionsbeauftragte/n, in einer Regions-Cup-Punkteliste nach jedem Turnier erfasst und ausgewertet. Diese Listen werden zum Einblick und zur Orientierung unmittelbar nach dem Cup-Lauf, regional unter folgenden Internetadressen veröffentlicht:

Region Süd:  www.agility-sued.de / Michael Zerrath
Region Mitte:  www.agility-hessen.de / Vivian Hinz
Region West & Nord-West:  www.irjgv-oestrum.de / Ingo Bursch
Region Nord:  www.hundeschule-emden.de / Lydia Hoffmann

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